„Regionale“ Lebensmittel
07.06.2021 10:07
von Genuss-im-Süden.de

Tricks und Täuschungen mit „regionalen“ Lebensmitteln

Immer mehr Kund*innen greifen beim Einkauf zu regionalen Produkten. Die Frische der Ware, die Förderung der heimischen Landwirtschaft und kurze Transportwege sind Gründe dafür.

Das rbb-Verbrauchermagazin SUPER.MARKT hat im Rahmen einer Stichprobe in Supermärkten und Discountern Lebensmittel, die mit regionalem Bezug werben, und Bio-Produkte verglichen. Das Ergebnis: Regionale Produkte waren gegenüber konventionellen Waren doppelt so teuer und kamen eben nicht immer „aus der Region“.

Bei Lebensmitteln, die Regionalität suggerieren, lohnt der genaue Blick auf die Herkunft: Äpfel der Rewe-Regionalmarke kommen aus Mecklenburg-Vorpommern, Tomaten von Lidl aus Bayern und Eisbergsalat von Penny aus Hessen mit mehr als 550 Kilometer Fahrstrecke. Besonders dreist: Eine Lidl-Eier-Packung mit der Aufschrift „Aus Solidarität: Mit dem Kauf dieser Eier unterstützen sie unsere Landwirte“ enthielt Eier aus den Niederlanden (aus Bodenhaltung).

In diesem Zusammenhang musste Lidl gerade eine Unterlassungserklärung abgeben. Nach Ansicht der Verbraucherzentrale Brandenburg verstößt diese Werbung gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb „und sei zur Täuschung geeignet.“ Denn Verbraucher*innen assoziierten mit „unseren Landwirten“ deutsche Bauern und erwarteten deshalb keine Eier aus den Niederlanden. Nach Recherchen von SUPER.MARKT sind die Eier immer noch im Handel und dürfen im Rahmen einer Aufbrauchfrist noch bis Mitte Juni verkauft werden.

Es ist anzunehmen, dass es ähnliche Vorfälle auch in anderen Bundesländern gibt. Entsprechende Recherchen gibt es dazu aber noch nicht. Auch in Bayern und Baden-Württemberg sollten die Verbraucher also die Augen offenhalten, wenn sie regionale Produkte kaufen. Denn das Problem ist: Der Begriff „regional“ ist rechtlich nicht geschützt und bietet somit reichlich Spielraum für Interpretationen, wie Annett Reinke von der Verbraucherzentrale Brandenburg im Magazin SUPER.MARKT schildert: „Jeder Hersteller, jeder Händler kann sagen: Meine Kriterien sind die und die und deswegen bewerbe ich ein Produkt als ‚regional‘. Da guckt niemand hin und kontrolliert, ob diese Standards auch eingehalten werden.“ Sie rät deshalb Kund*innen, genau hinzusehen, um welche Art von Regionalwerbung es konkret geht – ob es sich um eine ganz allgemeine Werbung handelt oder ob es detaillierte Aussagen gibt wie zum Beispiel: „100 Prozent der Zutaten kommen aus der Region.“

„Genuss im Süden“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, regionale Hersteller aus dem Allgäu, Schwarzwald, Oberschwaben und vom Bodensee zu unterstützen, sodass ihre Produkte auch den Weg in den hiesigen Handel finden. Die Auszeichnung der besten Produkte der Region mit dem "Kikeriki"-Siegel und die geplante Food-Fachmesse sind nur zwei Beispiele, wie „Genuss im Süden“ dabei hilft, dass „regional“ im Handel auch wirklich regional bedeutet.

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