Internationale Grüne Woche
20.01.2020 10:30
von Genuss-im-Süden.de

"Genuss im Süden" war auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin 2020

Auch dieses Jahr findet in Berlin wieder die Internationale Grüne Woche statt. Die Messe vom 17. – 26.01.2020 steht ganz im Zeichen der Klimadebatte. Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und umweltfreundliche Produktionsverfahren sind Trendthemen der globalen Leitmesse für Landwirtschaft, Ernährung und Gartenbau. „Genuss im Süden“ war in Berlin vor Ort, denn auch „Regionalität“ ist weiterhin ein wichtiges Thema bei Herstellern und Verbrauchern. Die deutschen Bundesländer, darunter natürlich auch Bayern und Baden-Württemberg, präsentieren auf der Grünen Woche ihre regionalen Schätze in eigenen Messebereichen.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner eröffnete die diesjährige Messe, auf der sich über 1.800 Aussteller aus 72 Ländern präsentieren. In ihrer Eröffnungsrede sprach die Ministerin von der Landwirtschaft als Teil der Moderne. „Wir wollen keine rückwärtsgewandte Agrarwende,“ so Klöckner. Der Berliner Justizsenator Dirk Behrendt hatte zuvor „Massentierhaltung und Überdüngung“ kritisiert und betont: „Die Agrarwende ist noch nicht vorbei“. Laut der Bundeslandwirtschaftsministerin werde es Zielkonflikte geben, die ohne Notstandsrhetorik ausdiskutiert und gelöst werden müssten. Die Dialogbereitschaft wurde in den Reden von Politikern und Vertretern der Land- und Ernährungswirtschaft dann auch besonders herausgestellt. Allerdings wurden auch Forderungen gestellt. „Die Landwirtschaft erwartet von der Politik, dass sie den richtigen Rahmen setzt zwischen Ökologie und Wettbewerb“, so Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes. Janusz Wojciechowski, der neue EU-Landwirtschaftskommissar, versprach, sich in Brüssel für die Sicherheit der Verbraucher, „aber auch der Bauern“ einzusetzen. Der Vorsitzende des Bundesverbandes der Deutschen Ernährungsindustrie Wolfgang Ingold, erklärte „Wir folgen dem Verbraucher“, und betonte, die Branche versuche, Lebensmittel verantwortungsvoll herzustellen und zu vertreiben.

Wie nie zuvor stand die Grüne Woche mit zahlreichen Ausstellungsbeiträgen und Konferenzen im Zeichen der Klimadebatte. Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und umweltfreundliche Produktionsverfahren sind die Trendthemen der 85. Messeausgabe. Auch der Stellenwert der Grünen Woche als Marketing- und Diskussionsplattform für alle Erzeugnisse und Themen der Land- und Ernährungswirtschaft wird mit einer erneuten Rekordbeteiligung unterstrichen. Innenpolitisch gewinnt die Messe durch Themen wie die Qualität und Sicherheit von Nahrungsmitteln sowie die Herausforderungen durch den Klimawandel ebenfalls immens an Bedeutung. Dies belegt unter anderem die Beteiligung von vier Bundesministerien mit eigenen Sonderschauen.

 

Für den Fachhandel bietet die Grüne Woche einen globalen Marktüberblick. Die Internationale Grüne Woche ist gleichzeitig Trendsetter und Testmarkt mit hunderttausenden Verbrauchern. Dies kommt auch Startups aus der Food- und Agrarszene zugute. Und nicht zuletzt beim Publikum genießt der Markenkern der Messe – Genuss und Lebensfreude – allerhöchste Priorität.“ Beim Thema Genuss stehen regionale Spezialitäten beim Verbraucher ungebrochen hoch im Kurs. Die Herkunft der Lebensmittel spielt für den Konsumenten bei der Kaufentscheidung eine entscheidende Rolle. Nahrungs- und Genussmittel aus allen Kontinenten sowie aus Deutschlands Regionen füllten rund zwei Drittel der Ausstellungsfläche der Grünen Woche 2020. Jedoch besteht laut dem Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, immer noch ein „Widerspruch zwischen dem gesellschaftlichen Verlangen nach mehr Ökologie und Tierwohl einerseits und andererseits der fehlenden Bereitschaft, im Laden dafür mehr zu bezahlen.“ Diesen Widerspruch gelte es aufzulösen. „Nahrungsmittel brauchen mehr Wertschätzung. Wir stehen in einem harten, internationalen Wettbewerb. Gute Rahmenbedingungen sind nicht nur wichtig für den Erfolg der Landwirtschaft, sondern auch für ein vielfältiges Angebot aus heimischer Erzeugung unter hohen Standards. Nie zuvor in der Geschichte ist die Landwirtschaft ihrer gesellschaftlichen Aufgabe, der sicheren Versorgung aller mit bezahlbaren und hochwertigen Nahrungsmitteln aus nachhaltiger Produktion, so erfolgreich gerecht geworden wie heute. Darauf sind wir stolz, und daran werden wir weiterarbeiten,“ so Rukwied. Auch „Genuss im Süden“ arbeitet durch verschiedene Maßnahmen und Aufklärungsarbeit daran, diesen Widerspruch aufzuheben und regionalen Lebensmitteln und Erzeugern zu mehr (Be)Achtung zu verhelfen.

Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie, äußerte sich positiv zu den Entwicklungen des deutschen Lebensmittelhandels: „… 2019 hat gezeigt, dass die Ernährungsindustrie mit großen Schritten den notwendigen Weg hin zu mehr Generationenverantwortung geht. So verwundert es nicht, dass der Megatrend des vergangenen Jahres nicht „vegan“, „proteinreich“ oder ein neuer enthusiastischer Geschmack war, sondern die nachhaltige Entwicklung der Lebensmittelproduktion. Die Hersteller präsentieren eine große Bandbreite an Lösungen und Produkten. Diesen Weg werden sie konsequent weitergehen.“

Mit intelligenten Verpackungen, neuen Produkten aus Lebensmittelresten und alternativen Proteinquellen stellt die deutsche Lebensmittelwirtschaft auf der Grünen Woche verschiedene Lösungen einer ressourcenschonenden Lebensmittelproduktion vor. Der stärkste Trend 2020 ist die nachhaltige Entwicklung von Lebensmitteln. Die Reduzierung von Verpackungsmüll und Lebensmittelverlusten, die Stärkung regionaler Rohstofflieferanten mit kurzen Transportwegen, der Einsatz pflanzlicher Proteinquellen und die Reduktion von Zucker, Fett und Salz sind nur einige Beispiele, die verdeutlichen, dass die Lebensmittelbranche an vielen verschiedenen Stellschrauben dreht, um ihrer Verantwortung gegenüber Mensch, Tier und Umwelt gerecht zu werden. Exemplarisch präsentiert die Lebensmittelwirtschaft nachhaltige Produktionsverfahren: So zeigt z.B. REWE die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit lokalen Lieferanten und Erzeugern, die ihre Produkte direkt an die lokalen REWE Märkte verkaufen. Eine solche direkte Zusammenarbeit zwischen Herstellern und Händlern, gedenkt auch „Genuss im Süden“, durch seine für 2021 geplante Food-Fachmesse, zu vermitteln. Das sei an dieser Stelle erwähnt.

Auch die Impulsgeber aus den Bereichen Industrie, Handel, Systemgastronomie und der Food-Startup-Szene präsentieren auf der Grünen Woche ihre Produkte und Ideen. Dazu zählten beispielsweise das weltweit erste Trinksystem, das Wasser nur über Duft aromatisiert, nämlich durch retronasales Riechen durch den Mund; Mikroalgen als pflanzliche Proteinquelle, Farbstoff oder Bindemittel; eine Frühstückscerealie, die 40 Prozent gerettete Bananen enthält; kleine Waffelbällchen aus Weizen- und Hanfmehl, gefüllt mit Salsa- oder Käsesoße, als alternativer Snack für Kinobesucher; Europas erstes Proteinpulver aus Insekten; ein Zero-Waste-Bier, das aus aussortiertem Brot gebraut wird und Lebensmittelverlusten entgegenwirkt; alkoholfreier Wein der Spitzenklasse; das erste alkoholische Mixgetränk ohne Zucker; ein Erfrischungsgetränk aus Bio-Zitrusschalen, die aus Saftpressen in Supermärkten oder Bars stammen.

An guten und innovativen Ideen mangelt es auf der Grünen Woche also wahrlich nicht. Das lässt hoffen und positiv in die Zukunft blicken. Allerdings wird es noch eine Menge Anstrengungen kosten, allen Parteien gerecht zu werden. „Genuss im Süden“ wird sich auch zukünftig für regionale Lebensmittel einsetzen und die aktuellen Herausforderungen annehmen.

 

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