Der 7. Genussgipfel BW
04.11.2019 15:37
von Genuss-im-Süden.de

Der 7. Genussgipfel unter dem Motto ‚Essen als Religion – Moral als Würze‘

Am Samstag, den 2. November 2019 fand im Württemberg Palais des „albgut Altes Lager" in Münsingen der 7. Genussgipfel statt. Unter den knapp 300 geladenen Gästen war auch „Genuss im Süden“. Wir geben eine kurze Rückschau auf das diesjährige Treffen, die interessanten Vorträge und die Wahl der neuen Genussbotschafter für Baden-Württemberg.
Staatssekretärin im Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Friedlinde Gurr-Hirsch ging in ihrer Eröffnungsrede zum 7. Genussgipfel auf die Veränderungen in der Ernährung und die Rollen, die dabei Produzenten, Verbraucher und Politik spielen, ein. Was, wie und mit wem wir essen wird immer mehr zum Ausdruck des individuellen Lebensstils, anderseits spielt auch die Frage nach und die Auseinandersetzung mit der richtigen Ernährung und somit einer zukunftsfähigen Lebensmittelproduktion eine immer größere Rolle. „Unsere Zeit ist von Dynamik und Expansion geprägt, die Veränderungen in immer schnelleren Schritten mit sich bringen. Die Globalisierung bestimmt dabei Politik, Handel, die technischen und somit die individuellen und gesellschaftlichen Entwicklungen, gestaltet aber auch Lebensmodelle und Lebensbedingungen und auch das Konsumverhalten jedes Einzelnen“, sagte Staatsekretärin Gurr-Hirsch. Anhand dieser Entwicklungen lassen sich aber auch Gegenbewegungen erzeugen, wie z.B. die zunehmende Bedeutung von Regionalität. „So geht es beim 7. Genussgipfel um viele in die Zukunft gerichtete Fragestellungen und Ansätze, denn das Verständnis von Lebensmittelkultur ist, dass Genuss heute mehr als die Anhäufung von Gütern ist, sondern auch etwas mit Echtheit, Gesundheit und Ethik zu tun haben muss“, so die Staatssekretärin.

 
Prof. Dr. Harald Lemke (Gastrosoph) hielt am Vormittag den interessanten Impulsvortrag ‚Zur gastrosophischen Utopie einer Ernährungswende‘. Seit zehn Jahren lehrt er am Zentrum für Gastrosophie (Ernährung – Kultur – Gesellschaft) der Universität Salzburg. Unter Gastrosophie wird heute das Zusammenwirken und fundiertes Nach- und Zusammendenken aller natur- wie geisteswissenschaftlichen Fächer und Disziplinen verstanden, die sich auf Ernährung beziehen und damit beschäftigen. Vor dem Hintergrund, dass die Gesellschaft bei der Ernährung vor neuen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen steht und auf neue Trends reagieren muss, formulierte Prof. Dr. Harald Lemke die gastrosophische Leitfrage: „Wie wollen wir leben, wie leben wir gut?“ Um Entscheidungen treffen zu können, werden dazu Kriterien, Wertbezogenheit und Reflexion benötigt. Die Botschaft von Prof. Dr. Lemke: Wer richtig, gut, genussvoll, gemeinsam isst, dadurch Weltverbindungen herstellt, schiebt die notwendige globale Ernährungswende mit an. Und: „Die Möglichkeit, über den Genuss die Welt zu retten, verspricht das erdverbundene Abenteuer einer erstrebenswerten Entwicklung der Menschheit.“
 

Zu Mittag tischten dann das Lagerhaus an der Lauter und Gasthof Herrmann Raffiniertes und Bodenständiges auf – von Rote Beete/Spinatsalat mit Ziegenkäse und Muskattrüffeln bis Gaisburger Marsch und Lammragout. Dann wurde es bei der Podiumsdiskussion über „Essen als Religion – Moral als Würze“ nochmals theoretisch, bei den anschließenden Foren zu Brot, Schnecken und Bier konnten die Gipfel-Gäste den Genusshandwerken über die Schulter schauen und natürlich probieren.

Der Höhepunkt des 7. Genussgipfels war aber wie in jedem Jahr die Kürung der Genussbotschafter. Als Genussbotschafter Baden-Württembergs werden Persönlichkeiten, Unternehmen und im Einzelfall auch Zusammenschlüsse von Akteuren gewählt. In der Regel kommen diese aus den Bereichen Produktion, Verarbeitung und Vermarktung von Lebensmitteln, Medien, Gastronomie und Tourismus sowie aus Aus- und Fortbildungseinrichtungen in Baden-Württemberg. Seit 2008 werden pro Jahr in der Regel zwei Preisträgerinnen bzw. Preisträger gewählt und auf dem Genussgipfel öffentlich ausgezeichnet. Insgesamt wurde der Preis bereits 39 Mal vergeben.
 „Die Genussbotschafter 2019 verkörpern eine Lebensmittelkultur, die Qualität und Genuss zusammenbringt. Sie stehen für ein Verständnis für die Produktion, die Dienstleistung und regionalen Wertschöpfungsketten als Ergebnis ihrer Verwurzelung und Geschichte“, sagte die Staatssekretärin bei der Preisverleihung.

Heiner Beck, Inhaber der Backstube BeckaBeck in Römerstein, wurde als Genussbotschafter 2019 ausgezeichnet, weil er sich seit vielen Jahren für die Verwendung regionaler Rohstoffe und Zutaten engagiert. Heiner Beck ist bestrebt, alte Sorten der Schwäbischen Alb durch Verarbeitung in der Bäckerei wieder aufleben zu lassen und pflegt daher viele Partnerschaften mit Lieferanten und entsprechenden Akteuren der lokalen Land- und Ernährungswirtschaft.

 
Die Meistervereinigung Gastronom Baden-Württemberg e.V. (MVG) aus Ehingen-Dächingen umfasst ca. 500 geprüfte Meisterinnen und Meister gastgewerblicher Berufe, die in einer besonderen Breite seit über 60 Jahren für gute baden-württembergische Gastlichkeit stehen. Themen wie Genuss, Natur, Region und kulinarische Kreativität stehen bei der MVG klar im Vordergrund. Ebenso engagiert sich die MVG im Bereich der Nachwuchsförderung und Ausbildung, um junge Menschen für das gastronomische Handwerk zu begeistern. Viele gute Gründe der MVG den Titel Genussbotschafter 2019 zu verleihen.

 
Weitere Informationen zum Genussgipfel gibt es HIER.
 

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